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Schweisstreibende Erntezeiten

Immer früher im Jahr überrascht uns die Wärme. Vorzeitig öffnet sie die Knospen hiesiger Obstbäume und setzt sie dadurch dem Frühfrost aus. Im Verlauf des Sommers klettern die Temperaturen zu Hitzerekorden, bringen lange Trockenperioden, schwere Gewitter und Hagel. Wie geht es Apfel, Birne und Konsorten damit?

Mit den Klimaveränderungen verschiebt sich der Erntekalender zwar nach vorn, im Obstbau jedoch bleibt der September der erntereichste Monat. Viele Früchte erreichen jetzt ihren Reifepunkt und ihr volles Aroma. Kernobst wie Äpfel, Birnen, Tafel- und Weintrauben, Steinobst wie Mirabellen, Pfirsiche, Nektarinen, Pflaumen und Zwetschgen, aber auch späte Beeren wie Brombeeren kommen von den Bäumen und Sträuchern.

«So aggressiv wie kaum je zuvor»

Von hiesigen Obstbauernfamilien fordert der Haupterntemonat unermüdlichen Einsatz. So auch bei Biolandwirt Christoph Meili in Pfyn im Thurgau. Seit vier Generationen gehört der Obstbau zum Herzstück seines Betriebs. «Es ist erstaunlich, welche Temperaturen die Obstbäume wegzustecken imstande sind», bemerkt Christoph Meili mit Rückblick auf diesen Sommer, der Hitzerekorde purzeln liess. Im Juni beschien die Sonne seine Anlagen «so aggressiv wie kaum je zuvor» und verbrannte abends westseitig einiges an Äpfeln. Viele der insgesamt dreissig Apfelsorten auf dem nach den Richtlinien der Bio-Knospe bewirtschafteten Hof erntet er im September. Den Anfang machen die frühen Herbstsorten Resi, Kidds Orange, Spartan, Rajka. Es folgen Ecolette, Ladina, Topaz, Boskoop und der feine alte Sauergrauech. Ende Monat sind Florina und Bonita an der Reihe sowie ein paar Testsorten aus der Biozüchtung. Bei den Birnen ist die Conference von anfangs September bereits in den August vorgerückt, nun kommen die Nischensorten Pierre Corneille und Alexander Lukas in die Kisten.

Schweisstreibende Erntezeiten
Bio Suisse

Nützlinge gegen Schädlinge

Die Erhaltung wohlschmeckender alter Sorten ist für Christoph Meili dem Interesse geschuldet, vieles auszuprobieren und im Angebot zu haben, das sich bewährt oder bewähren könnte. Seine robusten und dadurch weniger anfälligen Sorten ermöglichen einen reduzierten Pflanzenschutz. Aber auch Bio-Pflanzenschutz sei überlegt einzusetzen, betont er, um wichtige Nützlinge zu schonen. Sie vermögen Schädlinge in Schach zu halten, die mit den hohen Temperaturen zunehmen. Zum Schutz und zur Förderung von Nützlingen legt er Wildbienenhotels in Form von Holzscheiten mit gebohrten Brutlöchern an. Und er mäht in seinen Obstreihen nie alles Gras gleichzeitig ab. Viele Insekten erhalten so Rückzugsort und Nahrungsquelle zugleich. Deshalb lässt Meili mancherorts Heckenränder und seine teilweise mit Kräutersaat angereicherten Grasstreifen auch über den Winter stehen.

Ernten unter immer wärmeren Bedingungen

Weil das sich erwärmende Klima die Blüten immer früher austreiben lässt, wehren Obstproduzent:innen das zunehmende Frostrisiko ab, indem sie in kritischen Nächten ihre Anlagen mit Frostschutzkerzen beheizen. Einrichtungen mit Frostschutzberegnungen, die theoretisch effizienteste Methode, lohnen sich allerdings nur für grosse Betriebe. Bereits heute ist absehbar, dass in heiklen Regionen der Obstbau künftig keinen Sinn mehr machen wird. «Zur Überbrückung von Dürreperioden werden Bewässerungsanlagen unabdingbar und auch Hagelnetze gegen Niederschlagsextreme», sagt Experte Meili. Auf so manchem Betrieb dürfte es zur Verschiebung hin zu später reifenden Obstsorten kommen. Die frühen Apfel- und Birnensorten, deren Ernte in die grosse Sommerhitze fällt, könnten deshalb seltener werden.

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