Mitarbeitende in Equoiri, Kolumbien

Mitarbeitende in Equoiri, Kolumbien

Schweizer Pioniere auf dem globalen Nussmarkt

Sie kommen mit dem Schiff aus aller Welt: Die Pakka-Nüsse, die Kleinbauern in Indien, Georgien, Bolivien, Kenia, Kolumbien oder China anbauen. Alle Produkte und Zutaten stammen aus biologischem Anbau und sind fair gehandelt. Ueli Baruffol, Gründer der Firma Pakka, im Gespräch über den Ursprung seiner Leidenschaft zu Nüssen und die Herausforderungen beim Aufbau neuer Partnerschaften.

01.12.2022 Daniela Dudli

Am Anfang war die Nuss
«Vermutlich hat meine Leidenschaft für Nüsse ihren Ursprung in der Haselnuss-Cashew-Mandel Mischung, welche uns unsere Mutter täglich in einem «z’Vierigläsli» zum Naschen gab.» schwärmt Ueli Baruffol. Es prägten ihn nicht nur der frühkindliche Genuss von Nüssen, sondern auch das soziale Engagement seiner Mutter in ihrem Heimatland Kolumbien. Später folgte dann ein Studium zum Forstingenieur an der ETH Zürich und das Interesse für nachhaltiges Management von Ressourcen wuchs. «Mich fasziniert es bis heute, dank fairem Unternehmertum nachhaltige Veränderungen in ruralen Gebieten zu schaffen.»

Der Name ist Programm
Im Jahr 2006 haben Ueli Baruffol und Balz Strasser das Unternehmen Pakka GmbH gegründet. Grundlage der ungewöhnlichen Namensgebung ist der aus dem indischen stammende Ausdruck «pakka», was etwas von sehr guter Qualität, Echtheit und Authentizität bezeichnet. Nicht nur die Produkte sollten «pakka» sein, sondern auch die Art und Weise wie sie angebaut werden. «Gemeinsam reisten wir in das für mich noch unbekannte Indien und haben von Kleinbauern Cashew Nüsse gekauft, wir hatten keine Ahnung, was wir da tun.» lacht Baruffol. «Am Anfang der Pakka Geschichte steht das Unternehmen Elements, das lokale Verarbeitungs- & Vermarktungs-Unternehmen in Indien, mit welchem uns eine starke vertrauensvolle Geschäftsbeziehung und Freundschaft verbindet.» Bis heute gehen sie den Weg, mit dem Ziel eines gesunden und nachhaltigen Wachstums, gemeinsam.

 

Das grosse Ganze zählt
Die Partnerorganisation Elements in Kerala, Indien, handelt mit Rohstoffen, die immer sowohl Fairtrade als auch bio-zertifiziert sind. Ihr Engagement trägt massgeblich dazu bei, dass die bestehende Artenvielfalt der Region erhalten bleibt. Der Druck der Weltmarktpreise führt mancherorts dazu, dass die Bauern gefragteren Kulturpflanzen den Vorzug geben und alte Sorten langsam verschwinden. Umso schöner ist es, dass diese offene und erfolgreiche Zusammenarbeit dazu beiträgt, dass dies weniger passiert. Der Mehrpreis, den die Rohstoffe beim Verkauf erzielen, kommt nicht nur den Kleinbauern selbst, sondern ein Teil kommt auch immer einem Projekt für die Allgemeinheit zugute. «Unser Wirtschaften geschieht immer in Verbindung mit den Menschen und deren Umwelt, und muss immer als Teil eines grösseren Ganzen betrachtet und verantwortet werden – sowohl ökonomisch wie ökologisch.» Über die Jahre wuchs die Bauerngemeinschaft auf über 4'500 Familien und ist so, dank der starken Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft, resilienter gegenüber externen Einflüssen.

Der Grundstein zu langfristigem Erfolg
Wenn immer möglich reist Baruffol in die verschiedenen Länder und besucht die Kooperationen vor Ort. Davon liess er sich auch von Corona nicht aufhalten und besuchte unter anderem die Projekte in Kolumbien und Georgien, wovon sich letzteres als schwierige Knacknuss entpuppte. Es dauerte oft mehrere Jahre, bis der nachhaltige Anbau von Bio-Haselnüssen in Samegrelo oder von Bio-Mandeln in Kachetien auf stabilem Fundament steht und die Beziehung zu den Produzenten etabliert und stabil ist. Während der Anfangsphase müssen die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche landwirtschaftliche Produktion, Verarbeitung und Vermarktung geklärt und geschaffen werden. «Der Erfolg eines neuen Projekts steht und fällt mit starken Persönlichkeiten, die das Team vor Ort mit Fingerspitzengefühl führen.» berichtet Baruffol. Nur so kann sich Pakka auf die Schaffung des Marktzugangs und den Aufbau des Marktes in der Schweiz und der EU fokussieren.

Wertschöpfung auf ganzer Linie
Pakka betreibt unter dem gleichnamigen Brand vier Organisationen rund um fair gehandelte, von Kleinbauern produzierte Bio-Snack Spezialitäten. Die vier Geschäftsbereiche Pakka Foundation, Pakka Finance AG, Biodina SA, Pakka Products AG umfassen die komplette Wertschöpfungskette eines Produkts. Von der nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion und der Unterstützung der Kleinbauer-Kooperationen, dem Handel mit Rohwaren und Halbfabrikaten bis hin zum Vertrieb der veredelten Premium Spezialitäten. «Durch die Aufteilung unseres Tuns in vier Geschäftsbereiche, werden wir zu einem kompetenten Partner und Anbieter von Dienstleistungen entlang der Nuss-Wertschöpfungskette.»

Rund um die Nuss
Viele spannende Projekte warten in der Schublade von Baruffol darauf, realisiert zu werden. Doch die Umstände auf dem Weltmarkt und die Trends bei Konsument:innen fordern auch von Pakka und den lokalen NGOs eine neue Dynamik. Aktuell fokussiert Pakka seine finanzielle Unterstützung in der aktuellen Krisenzeit auf die bestehenden Partnerschaften und musste geplante Investitionen – wie z.B. in den Partner in Peru, der die bereits lancierten Trockenfrüchten liefert – zurückstellen. «Bio Partner ist unser grösster Kunde in der Schweiz. Wir freuen uns, wenn auch diese Produkte bald ins Sortiment aufgenommen werden.»

Was darf bei fairen Festtagen nicht fehlen?
Fragt man Ueli Baruffol nach seinen Lieblings-Pakka-Produkten schwärmt er von den Cashews mit Curry Madras zum Apéro und den Bio Candy Peanuts mit 65% Kakaoanteil in der Snackpackung. Zudem betont er: «Nachhaltigkeit hört für mich nicht beim Produkt auf. Es zählen die Geschichten dahinter und wie ich mit meinem Tun einen Unterschied in der Welt schaffe.»