BIOgrafie: Persönlich. Vielfältig. Gewissenhaft.

BIO: Für die einen ist es eine persönliche Herzensangelegenheit, für andere ein Versuch, die Welt nachhaltiger zu gestalten. Was oft im Verborgenen bleibt, sind die Personen, welche hinter den Produkten stehen und täglich ihr Herzblut in Anbau, Produktion und Verarbeitung stecken.

Wir heben den Vorhang. Wir waren bei unseren Produzenten und Lieferanten vor Ort und haben hinter die Kulissen geblickt. Daraus entstanden sind Geschichten, die zum Nachdenken anregen, kritisch hinterfragen, Probleme klären, Freude versprühen oder einfach guttun.

Pakka AG, Zürich

Fairness ohne bitteren Nachgeschmack

 

Gaumenfreude trifft auf soziale Verantwortung. Seit 2006 setzt die Pakka AG mit fair produzierten und biologisch angebauten Nüssen neue Standards in der Nusswelt. Was beim kleinen Cashew-Projekt in Indien begann, ist mittlerweile zu einem vernetzten Handelsbetrieb herangewachsen. Dabei steht Gemeinschaft an erster Stelle.  

 

Von Alessandra Sossini

 

Geschält, geröstet und geschmacksvoll. So kennen wir die Nüsse vom Bio-Laden um die Ecke. Doch hinter diesem vermeintlich simplen Produkt, steckt mehr. In einem fernen Land vom Baum gefallen, wird sie eingesammelt, in mehreren Stufen getrocknet, geschält, verpackt, über tausende Kilometer nach Europa transportiert, geröstet, mit Gewürzen verfeinert, bis sie dann in unserer Einkaufstasche landen. Im Vergleich zu anderen Produkten ist dieser lange Weg noch ziemlich kurz. Und doch stellt sich uns die Frage: Wie kann man hier den Überblick behalten und überall faire Preis und gute Arbeitsbedingungen gewährleisten?

 

Als Nusshändler gelingt dies der Pakka AG durch die enge und persönliche Zusammenarbeit mit Kleinbauernorganisationen in südlichen Ländern. Denn Pakka will Nüsse nicht nur zu einem fairen Preis im Ursprungsland beziehen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette vom Ursprung her fördern. Somit sollen so viele Verarbeitungsschritte so lokal wie möglich durchgeführt werden, wie zum Beispiel das Trocknen und Schälen der Nüsse. „Für mich ist es das Schönste, wenn man Produkte direkt aus dem Ursprung beziehen kann“, meint Mitgründer Ueli Baruffol in einem Gespräch mit Bio Partner. „So schaffen wir mit unseren Partnerschaften die Brücke zwischen den südlichen Lieferanten und dem europäischen Markt».

 

 

Am Anfang stand die Cashew

 

Mit einem kleinen Projekt in Indien begann 2006 die Geschichte von Pakka. Die Gründer, Ueli Baruffol und Balz Strasser, erhielten in Indien die Möglichkeit, den Bioladen vom Unternehmen Elements und deren Handelstätigkeit finanziell und unternehmerisch zu unterstützen. Im Zentrum stand dabei der Einkauf und Export von Cashew-Nüssen. Für ihr Vorhaben begannen sie eng mit der Bauernkooperation Fair Trade Alliance Kerala (FTAK) zusammen zu arbeiten, welche lokale Kleinbauern im Vertrieb ihrer Produkte unterstützte. „Schon immer interessierte mich, das Unternehmertum mit dem Entwicklungskontext zu verbinden und daraus einen positiven Einfluss auf die gesamte Region zu erzielen». sagt Baruffol. Von da an war Pakka als Rohstoffhändler und Marke geboren. 

 

So wandten sie sich den Cashews zu und steckten ihr gesamtes Herzblut in die Kooperation mit Indien. 2007 erhielten sie dann offiziell die Fairtrade-Zertifizierung und 2008 die Bio-Zertifizierung. Danach war Pakka für einige Jahre der einzige Bio-Fairtrade-Cashew-Lieferant weltweit. Und dies somit die Geburtsstunde weiterer Projekte. 

 

 

Aufbauen, unterstützen, entwickeln

 

Seit der Gründung sind neun weitere Kooperationspartner hinzugekommen. Gleichermassen ist auch das Sortiment von Pakka gewachsen. Mittlerweile beziehen sie unter anderem Cashews auch aus der Elfenbeinküste, Haselnüsse aus Georgien, Macadamianüsse aus Kenia und Mandeln aus Pakistan. Doch Pakka will nicht nur als Rohstoffhändler und Kunde auftreten. Von Anfang an investierte Pakka aktiv in die Infrastruktur vor Ort, mit dem Ziel, die kleinbäuerlichen Strukturen zu erhalten. Pakka ist auch in der strategischen Planung der einzelnen Organisationen miteingebunden und wirkt mit 15-25 Prozent Aktienanteil in den einzelnen Partnerschaften mit. Trotzdem ist und bleibt die Autonomie und Entscheidungsfreiheit bei den Partnern die eng mit den Bauernkooperationen arbeiten. „Wir bauen auf, wir unterstützen und entwickeln, aber am Markt müssen die Partner selbst bestehen. Sie treffen ihre eigenen Entscheidungen“, meint Baruffol. 

 

Das faszinierendste und schönste an der Zusammenarbeit mit solchen Bauerngemeinschaft sei das Gefühl, wirklich einen kleinen Beitrag leisten zu können, der einen Einfluss auf deren Lebensqualität hat, sagt Baruffol mit einem Lächeln im Gesicht. Bei funktionierenden und stabilen Kooperativen entsteht  ein kleines, in sich geschlossenes aber starkes System in einem staatlichen System. Und es funktioniere. «Bei Problemen und Projekten unterstützt man sich. Man ist eine Gemeinschaft und wächst auch zusammen“.

 

 

Durch Verständnis wachsen 

 

Wie auch andere Fairtrade- und Bio-Vertreiber kennt Pakka die Herausforderung, mit höheren Preisen am Markt tätig zu sein. Genau hier will Pakka auch weiterhin ansetzten und mit mehr Marketingaktivitäten und gezielter Kommunikation die Verbindung zwischen Bauern im Süden und Konsumenten in Europa stärken. «Erst wenn der Kunde die Geschichte und den Aufwand hinter jedem einzelnen Produkt kennt, ist er gerne bereit einen höheren Preis dafür zu bezahlen», so Baruffol. 

 

Diese Transparenz und das Verständnis will Pakka in allen Bereichen weiterhin nutzen und nachhaltig wachsen. Sie wollen neue Projekte und Partnerschaften starten, weitere Nuss-Wertschöpfungsketten erschliessen und in weitere Produkte wie Pistazien oder Pekannüsse investieren. Und dies alles im Zeichen: Wertschöpfung schaffen im Ursprung.  

 

Metzgerei Mark, Schiers-Lunden GR

Wo Tiere noch Lebewesen sind

 

Die Metzgerei Mark aus dem Bündnerland produziert Bio-Fleischwaren in höchster Qualität und setzt dabei auf die enge Zusammenarbeit mit regionalen Bauern. Von der Schlachtung bis zur fertigen Wurst nimmt die Metzgerei jeden einzelnen Verarbeitungsschritt unter dem eigenen Dach vor. Und dies ganz nach dem Prinzip: Wohl für Mensch und Tier.

 

Von Alessandra Sossini

 

Wenn man einen Vegetarier oder eine Vegetarierin fragt, warum er oder sie kein Fleisch isst, ist die Antwort oftmals auf die berüchtigten Schockvideos von Tierställen und Schlachtbetrieben im Internet zurückzuführen. Eine Begründung, welche der Metzger Andy Mark absolut versteht. Er führt die Metzgerei Mark im idyllischen Schiers-Lunden im Kanton Graubünden mit einer besonderen Philosophie: Fleisch, ausschliesslich aus der Region und Tierwohl kommt an erster Stelle – «echt einheimisch» halt. Regionalität, die man spürt. Denn den internationalen Fleischhandel sucht man bei der Metzgerei vergeblich. «Wir sehen das Metzgen als ein Handwerk an. Wir gehen sorgfältig mit den Tieren um und sorgen dafür, dass diese nie leiden müssen», sagt Mark in einem Gespräch mit Bio Partner. Die Tiere kommen nach kurzen Transportwegen an, können sich frei bewegen und tragen nie einen Strick um den Hals – alles ganz ohne Stress. Mittlerweile bezieht die Metzgerei Fleisch aus dem Engadin, aus Davos, Klosters, Arosa sowie auch direkt vom Nachbar.

 

Gegründet wurde die Metzgerei vor 24 Jahren im Garten von Marks Mutter mit dem Bau der ersten Verarbeitungsstätte. Als dann die einzige Schlachterei in Schiers zumachte, entschied sich Mark, seine eigene aufzubauen. Innerhalb von 20 Jahren kamen dann weitere Verarbeitungsräume, Trocknungsräume, Maschinen und auch Verkaufsgeschäfte hinzu. Das Unternehmen wuchs weiter, die Leidenschaft zum Beruf blieb. «Mittlerweile habe ich viel Administration zu erledigen. Trotzdem stehe ich jeden Tag im Betrieb und rüste selbst. Ich habe Freude daran und will das nicht aufgeben», so Mark.

 

 

Tierwohl versus Preisproblematik

 

Ein Thema, welches den Metzger sehr beschäftigt und am Herzen liegt, ist der Preiskampf auf dem aktuellen Fleischmarkt. «Es ist frustrierend zu sehen, dass die Preisdiskussionen auf dem Buckel der Tiere ausgetragen werden», meint Mark. Preise und Kosten werden gedrückt und Fleisch zunehmend aus dem Ausland bezogen. Dafür verantwortlich macht er vor allem die Einstellung der Konsumenten. «Mittlerweile sehen Konsumenten die tiefen Preise als Norm und vergessen dabei ihren gesunden Verstand», meint Mark. Das Problem sei für ihn nicht vorerst woher das Fleisch komme, sondern, dass Tierwohl und Qualität hinter jedem Stück leider keine Rolle mehr spielt.

 

Darunter leiden nicht nur die Tiere, sondern auch die Bauern. «Bei jedem Fleisch-Skandal macht man den Bauern dafür verantwortlich, obwohl Konsumenten mit ihrem Wunsch nach günstigen Lebensmittel Mittäter sind», so der Metzger. Für regionale Bauern ist es ziemlich schwierig mit den tiefen Fleischpreisen aus dem Ausland mitzuhalten. Deshalb legt die Metzgerei grossen Wert darauf, ihren Bauern faire Preise für ihre Tiere zu zahlen und somit die gesamte Wertschöpfungskette zu stärken. «Wir sehen Fleisch als Genussmittel, dass seine Qualität und auch seinen Preis braucht», so Mark. Und wer nur auf Zahlen fixiert sei, der solle bitte gleich mit dem Metzgen aufhören.

 

 

Altbekanntes neu definiert

 

Ein beliebtes Produkt der Metzgerei Mark ist ihr Bio Power Beef;  der erste Fleisch-Stick auf dem Schweizer Markt aus bestem Bio-Rindfleisch mit wenig Fett und viel Protein. Profi- sowie auch Hobbysportler schwören drauf. Auslöser dafür  war eine Anfrage eines Nachbarn, welcher gerne eine Proteinwurst herstellen lassen wollte. Weit suchen, musste die Metzgerei dafür glücklicherweise nicht. «Unsere bestehenden Trockenfleisch-Produkte hatten bereits die Eigenschaften von Power Beef. Sie waren nur ziemlich unpraktisch zum Mitnehmen», sagt Mark. Denn wer nehme ein Pack geschnittenes Bündnerfleisch oder ein ganzer Salsiz mit auf die Skipiste? So entstand der Proteinlieferant für die Hosentasche.

 

Leider kommt bei diesem Produkt wieder die Preisfrage ins Spiel. Laut Mark würden sie viel mehr Power Beef verkaufen, doch auch hier schrecke der Preis die Konsumenten ab. Wie beim Bündnerfleisch machen es hier die Rohstoffe und die zeitintensive Verarbeitung aus. Verglichen mit Power Beef, bestehen gewöhnliche Fleisch-Sticks hauptsächlich aus günstigem Schweinefleisch und sehr viel Fett und werden maschinell innert kürzester Zeit produziert. Das drückt natürlich den Preis. «Konsumenten sollen endlich verstehen, dass sie sich mit gutem Fleisch etwas Gutes tun würden», seufzt Mark. Nichtsdestotrotz erhält der Metzger unzähligen Sponsoringanfragen und arbeitet seither mit sehr vielen Sportlern zusammen.

 

 

Eine Einstellungsänderung muss her

 

Obwohl die Schweiz weit vorne im Thema Tierschutz mitspielt, sind noch immer nicht alle Hintergründe zur aktuellen Fleischindustrie aufgedeckt. Viele Stimmen sprechen sich bereits für strengere Richtlinien aus, doch ist dies für Mark nicht genug: «Es wird viel geredet, gemacht wird aber doch nichts». Aktive Aufklärung und einen weitreichenden Informationsaustausch müsse her, um den Konsumenten die Vorteile von Regionalität, kürzeren Transportwegen und deren Einflüsse auf das Tier aufzuzeigen.

 

In Verknüpfung mit Ernährung und Sport sollen auch Kinder früh lernen, was es bedeutet, Fleisch zu essen. «Kinder müssen den Bezug zum Tier früh verstehen und darauf sensibilisiert werden», so Mark. Denn was nie vergessen werden darf: Tiere sind nicht einfach eine Ware auf dem Teller, sondern noch immer Lebewesen.

Sennerei Bachtel, Wernetshausen ZH

 

 

Da Milch, Milch bleiben soll

 

 

Seit acht Jahren betreibt die Familie Brodbeck die Molkerei Sennerei Bachtel im Zürcher Oberland und produziert hochwertige Demeter-Milchprodukte. Handwerklich hergestellte Produkte und gesellschaftlich-soziales Engagement spielen bei der Molkerei die Hauptrolle. Eine Herzensangelegenheit, welche man sehen, spüren und vor allem schmecken kann.

 

Von Alessandra Sossini

 

Über eine kurvige Landstrasse führt der Weg von Hinwil nach Wernetshausen, einem kleinen Dorf im Zürcher Oberland. Abseits von der Hauptstrasse, umgeben von Wiesen und Hügeln, liegt dort die Molkerei Sennerei Bachtel. Diese ist bereits von weitem zu erkennen. Ein weisses, kleines, urchiges Haus, mit ehemaligem Saustall daneben und dutzenden Milchkannen vor der Türe. Was früher ein Bauernhof mit Schweinen war, ist seit acht Jahren der Lebensbetrieb der Familie Brodbeck. Ein Betrieb, der mit viel Herzblut betrieben wird, was man mit jedem Schritt durch die Molkerei spürt. «Wir wollen in einer traditionellen und handwerklich ehrlichen Art hochstehende Produkte machen, aus einer Milch, welche einerseits aus der Region ist und andererseits auch dem Tier gerecht wird», sagt Geschäftsführer Vital Brodbeck in einem Gespräch mit Bio Partner.

 

Die Molkerei arbeitet mit zehn Milchbauern aus der direkten Umgebung zusammen, welche täglich ihre Milch liefern. «Wir haben ein riesen Glück in Mitten eines kleinen ‘Nests’ von Demeter-Bauern zu sein und deren Philosophie in den eigenen Wänden leben zu können», so Brodbeck. Im Einklang mit Tier und Natur und mit sorgfältiger Handarbeit entstehen so köstliche Milch, süss-fruchtige Joghurts und cremiger Käse. Die eigene Hauskäserei ist ein nicht mehr wegzudenkender Vorteil der Molkerei. «Wir haben mit dem Käsen einen Puffer. Wenn einmal zu viel Milch geliefert wird, verarbeiten wir sie zu Käse, welcher dann im Käsekeller vor sich hin reift. Je länger desto besser.», so Brodbeck schmunzelnd.

 

 

Jeder ist willkommen

 

 

Nebst der Nachhaltigkeit und dem Tierwohl ist der Molkerei auch die  Integration von Menschen mit einer Lernschwäche ein wichtiges Anliegen. Oberhalb der Käserei hat die Familie deshalb eine kleine betreute Wohngruppe eingerichtet, wo zwei bis drei Bewohner komplett in einen geregelten Alltag eingebunden und integriert werden. Ebenfalls können diese eine vollumfängliche Ausbildung in der Molkerei abschliessen und im Anschluss sogar dort weiterarbeiten. Das Stichwort dafür ist ‘Individualität’. «Diese Leute sind so, wie sie sind und die Gesellschaft sollte Platz dafür haben», so Brodbeck. Jeder Lehrling wird im direkten Kontakt individuell betreut und gefördert. So wird auch die Qualität der Produkte vollumfänglich sichergestellt.

 

 

 

Dass dabei manchmal auch Schwierigkeiten auftreten, möchte Vital Brodbeck gar nicht abstreiten. «Klar ist es eine Herausforderung und auch sehr zeitintensiv. Aber erst durch diese Menschen erhält unsere Molkerei eine gewisse Spezialität, eine neue ‘Lebensweise’, einen ganz neuen Humor.» Er hofft, dass auch weitere Betriebe sich einer solchen sozialen Aufgabe annehmen. Die gesamte Gesellschaft müsse sich wieder Zeit nehmen und die Fähigkeiten jeder einzelnen Person im Ganzen integrieren und nutzen. Denn nur so wachse man gemeinsam und schaffe einen Vorteil für jeden. «Ich arbeite seit 20 Jahren mit Menschen mit einer Beeinträchtigung zusammen und ich habe in dieser Zeit viel mehr selbst gelernt, als ich diesen Menschen je beibringen konnte.», meint Brodbeck mit einem Lächeln im Gesicht.

 

 

 

Grosser Druck auf kleine Bauern

 

Wie andere Klein-Käsereien und -Molkereien steht aber auch die Sennerei Bachtel unter grossem finanziellem und wirtschaftlichem Druck. «Durch die Grossverteiler auf dem Markt wächst der Preisdruck enorm. Für viele Kleinbetriebe ist die einzige Lösung die Flucht nach vorne - die Vergrösserung des Betriebs», meint Brodbeck mit einem besorgten Unterton. Eine Lösung, welche für ihn nicht in Frage käme. «Wir wollen, dass unsere Arbeit weiterhin ein Handwerk bleibt und nicht in einen technischen Prozess eingebunden wird». Die Angst, sich diesem Druck trotzdem beugen zu müssen und bald auch den Milchbauern keine fairen Preise mehr zahlen zu können, sei aber jederzeit präsent.

 

Nicht nur der Preisdruck macht dem Milchverarbeiter zu schaffen, sondern auch die Zukunft des Demeter-Images. Laut Brodbeck geht es vielen Vertreiber heute nicht mehr um das Weitertragen der Demeter-Philosophie, sondern aus dieser bestehende Nische so viel wie möglich abzuschöpfen. Nachhaltigkeit spiele nur noch eine Nebenrolle und die Geschichte hinter den Produkten zähle nicht mehr. Hauptsache das Produkt trägt die Demeter-Zertifizierung. «Meine Erfahrungen haben leider gezeigt, dass auch der Ruf der Demeter-Philosophie verwässert werden könnte.» Einen Ruf, welchen Klein-Betriebe wie die Sennerei Bachtel über Jahre hinweg geformt und damit das Interesse der Grossverteiler erst geweckt hätten.

 

Mehr Bewusstsein in Zukunft

 

 

Was die Zukunft für die Sennerei Bachtel bereithält, weiss Vital Brodbeck nicht. Aber ein grosses Ziel der Molkerei ist es, keine Kompromisse eingehen zu müssen. «Wir wollen uns selbst und unserer Philosophie treu bleiben können.» Auch einen Wunsch an die Zukunft hat er:  Die Branche solle wieder Rahmenbedingungen schaffen, damit wieder mehr unterschiedliche Molkereien in der ganzen Schweiz öffnen können. «Wir haben keinen Anspruch, die Einzigen auf dem Markt zu sein. Lieber fünfzig kleine Betriebe in der Schweiz verteilt, als ein Riesiger. Denn DAS bedeutet organisch wachsen», so Brodbeck.

 

Um dies zu erreichen, sollte sich aber auch in der Denkweise aller Beteiligten etwas ändern. «Man muss überall ansetzen: In der Prävention, in der Politik und mit Aufklärungsarbeit. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg», sagt Brodbeck. Aus seiner Sicht müssten auch die Konsumenten den Lebensmitteln wieder einen ausreichenden Wert zusprechen und somit das Bewusstsein für Natur und Tier wieder aufleben lassen. Ein Trend in diese Richtung sei bereits voll im Gange. Doch bleibt zu hoffen, dass auch weitere Konsumenten wieder mit Vernunft und Bewusstsein ihre Lebensmittel wählen.

 

 

 

Herba Bio Suisse, Attiswil BE

Grosses Herz für kleine Kräuter
 

Ob Lavendel, Zitronenmelisse oder die altbekannte Pfefferminze. Mit viel Sorgfalt und Geduld baut die Familie Studer auf dem Alpfelenhof seit über 40 Jahren erlesene und kostbare Kräuter an. In Bio-Knospe-Qualität und mit der Schweizerischen Sorgfalt  behandelt der Familienbetrieb jedes Kraut ganz individuell und kreiert daraus genüssliche und vielseitige Tee-Erlebnisse.

 

Von Alessandra Sossini

 

Auf dem Biohof der Familie Studer in Attiswil geht man wortwörtlich der Nase nach. Einmal Riechen und schnell wird klar, was die Spezialität des Familienbetriebes ist. Kräuter soweit die Nase reicht: Die Verarbeitungshalle duftet nach Thymian, im Lager riecht es nach Salbei und wenn man den Deckel eines Topfes im Lager öffnet, kommt einem der angenehme Geruch von Fenchelsamen entgegen. Ein liebliches Zusammenspiel aus Düften und Eindrücken. «Wir wollen immer das Beste aus jedem Kraut, jeder Blüte und jedem Blatt herausholen», sagt Lukas Studer, Kräuterbauer und Inhaber des Alpfelenhof, im Gespräch mit Bio Partner.

 

Den Anfang des Kräuteranbaus machte Lukas Studers Vater Ende 70er Jahren. Auf der Suche nach einem neuen Standbein entstand die Idee, auf Kräuteranbau in der Schweiz  zu setzten – und dies als einer der ersten. Der Einstieg war aber nicht ganz einfach. «Bei den Kräutern ist es nicht wie bei Gemüse, wo man nachlesen kann, wie etwas angebaut wird. Wir mussten ausprobieren und aus unseren Erfahrungen lernen», so Studer. Nach der Hofübernahme durch Sohn Lukas und seiner Ehefrau Daniela Studer hat es der Familienbetrieb nach einigen Jahren geschafft, ihre erste eigene Tee-Linie Swisstea zu lancieren. Nach weiterem Experimentieren entstand dann Anfang 2018 die neue Tee-Linie Herba Bio Suisse – Tee ausschliesslich für den Fachhandel.

 

 

Bio als Einstellungssache

 

Für die Familie Studer bildet die biologische Landwirtschaft das oberste Gut. «Bio ist für uns nicht bloss eine Zertifizierung, sondern wichtig  für uns persönlich und für unser Gewissen», meint Studer. Und dazu steht die Familie mit vollem Herzen. «Wir wollen nicht, dass irgendwelche Chemie ins Wasser gelangt, wenn der Tee am Ziehen ist.» Trotzdem sei der biologische Kräuteranbau sehr aufwändig. «Da wir jegliche Pestizide und vor allem den Unkrautvernichter weglassen, gibt es viel mehr Arbeit, die Kräuter zu schützen», sagt Studer.

 

Auch möchte die Familie Studer den Wert jedes Krautes individuell fördern. «Jedes Kraut ist anders und braucht eine andere ‘Behandlung’», sagt Studer. Nur fachgerechtes Lagern, ein schonender Transport der Kräuter auf Laufbänder und das richtige Schneiden der Kräuter ermöglichen einen unverfälschten Tee-Genuss. Aus diesem Grund findet Studer auch die höheren Preise für den Tee berechtigt: «Wir verwenden nur die besten Kräuter und verarbeiten sie so schonend wie möglich. Bio und Qualität müssen deshalb einen Preis haben», so Studer. Trotzdem bleibe der Handwerksbetrieb mit ihren Produkten im mittleren Preis-Segment, damit sich auch Familien mit ihren Tees etwas Gutes tun können.

 

 

Schummeleien auf dem Teemarkt

 

Obwohl Tee auf den ersten Blick fast schon unschuldig wirkt, wissen nur wenige Teetrinker von der Trickserei auf dem konventionellen Tee-Markt. Als Beispiel nennt der Bauer den Früchtetee: «Jeder kennt es: Wenn man konventionellen Früchtetee ins heisse Wasser gibt, färbt sich dieses musterartig und innert Sekunden rot. In der Natur ist dies aber kaum möglich.» Um dieses Farbenspiel zu erzielen, packen leider viele konventionelle Tee-Produzenten künstliche Farbstoffe in die Tee-Beutel. Und auch die Frische der Tees wird minimiert. Um Verpackungskosten und Zeit zu sparen, werden Kräuter erhitzt, zu Würfel gepresst und klein geschnitten. So lassen sich diese einfacher in Beutel füllen. Der Tee verliert dabei aber stark an natürlichem Geschmack. Als Ausgleich werden dann Geschmacksstoffe in die Beutel gedrückt. Nichtsdestotrotz solle jeder Produzent seinen eigenen Weg gehen, so Studer. „Wir stehen zu unserer Bio-Knospe-Qualität.“

 

Was den Kräuterbauer ebenfalls ein bisschen beschäftigt, ist, dass der Fachhandel sehr viele Tees aus dem Ausland bezieht. «Ich finde das schade. Man sollte doch stärker auf Swissness setzten und die guten Kräuter aus der Schweiz beziehen», so Studer. Dieser Gedanke war auch der Auslöser für die Familie, mit dem Tee-Anbau anzufangen. Zudem sollte der Schwerpunkt wieder auf den Inhalt gelegt werden und nicht auf die Verpackung. «Eine aufwändige Verpackung mag am Anfang ansprechend wirken, ein Qualitätssiegel ist dies jedoch nicht.» Trotzdem sei es auch für den Familienbetrieb immer eine Gratwanderung zwischen Inhalt und Aussehen.

 

 

Bestehendes optimieren

 

Der Zukunft blickt Lukas Studer freudig entgegen. Die neue Tee-Linie Herba Bio Suisse bildet die Basis für die weiteren Schritte des Hofs. «Wir haben viel Herzblut, Kraft und Zeit in dieses Projekt investiert und wollen nun dieses so gut wie möglich fördern», sagt Studer freudig. Allgemein sollen die bewährten Produkte weiterhin verbessert und gestärkt werden. Zeit für Experimente und neue Kreation soll aber bleiben.

 

Auch die zwei Kinder der Studers sollen mit der Zeit stärker in den Betrieb eingebunden werden, um die Eigenschaften der Kräuter kennenzulernen. Das Ziel des Hofs ist es, das Handwerk und die Leidenschaft weiterzugeben - damit in Zukunft in noch mehr Häusern der süsslich-würzige Duft der Alpfelenhof-Tees aufsteigt. 

Bio-Meerrettich, Willisau LU

Die Pioniere auf dem Schweizer Meerrettich-Markt 

 

Seit 2006 bauen Schmid-Zwimpfer Lucia und Willy in Willisau Meerrettich an. Als einziger Meerrettich-Produzent in der Schweiz ist es der Familie ein Anliegen, die gesunde, würzige Wurzel beim Konsumenten bekannt zu machen. Eine faszinierende Aufgabe, welche viel Herzblut und Durchhaltewille fordert. 

 

Von Alessandra Sossini

 

Wir kennen ihn als Beilage zu Fisch und Gemüse, als Schaum, Sauce oder Verfeinerung mit dem gewissen Pfiff: Den Meerrettich. Was für uns einfach eine scharfe Wurzel ist, ist für die Familie Schmid-Zwimpfer pure Faszination. Seit 12 Jahren bauen sie mit viel Leidenschaft Meerrettich an. Ihr Bauernhof mit 15 Milchkühen und weiter Ackerfläche ist kein gewöhnlicher Hof, sondern einer voller Herzblut, Erfindergeist und Neugierde für Neues. Genau das war auch der Anstoss für den Meerrettich-Anbau. Schon damals war für die Familie klar: Um mit ihrem Kleinbetrieb weiterhin erfolgreich zu sein, musste nebst der Milch ein neues Standbein aufgebaut werden. Nach langem Tüfteln, Ausprobieren und aufwändiger Suche hat es ihnen der Meerrettich angetan. «Andere fühlen sich von fernen Ländern angezogen, bei uns war es halt der Meerrettich», sagen Lucia und Willy Schmid-Zwimpfer in einem Gespräch mit Bio Partner. «Es ist als hätte er uns gefunden, nicht wir ihn.»

 

Doch als Pioniere auf dem Schweizer Meerrettich-Markt war dies komplettes Neuland für das Ehepaar. Zwar konnten sie die Grundinformationen von einem Freund aus Deutschland einholen, bislang war Schweizer Meerrettich aber nur in privaten Gärten anzutreffen. Mit viel Eifer und einigen Nachtschichten erntete die Familie dann 2006 zum ersten Mal ihren eigenen Meerrettich. «Am Anfang machten wir Fehler und mussten viel Zeit investieren. Die Handhabung kannten wir ja noch nicht», meint Willy Schmid-Zwimpfer lachend. Die Familie optimierte immer wieder die Arbeitsabläufe. «Es brauchte viel Geduld und vollen Einsatz. Nun dürfen wir uns über den Erfolg freuen», sagt Lucia Schmid-Zwimpfer strahlend.

 

 

Scharfe Wurzel und kalte Finger

 

So köstlich der Meerrettich auch ist, im Umgang ist er zäher als gedacht und bedarf viel Handarbeit und Ausdauer. Vom Setzen des Wurzelabrisses (Pflanzgut), über das Unkrautjäten bis zum Ernten, Waschen und Rüsten der fertigen Wurzel macht die Familie Schmid-Zwimpfer einen grossen Teil von Hand. «Der grosse Aufwand macht es fast unmöglich den Meerrettichanbau zu mechanisieren. Doch gerade deshalb ist er so speziell für uns», meint Lucia Schmid-Zwimpfer. Aus qualitativer Sicht ein wichtiger Aspekt. Denn von Anfang bis Ende nimmt das Ehepaar jede einzelne Wurzel ungefähr dreissig Mal in die Hände, bevor diese zum Kunden kommt. So geschieht die Qualitätssicherung ganz automatisch. 

 

Während der Erntezeit zwischen Oktober und März ist die Familie nicht nur mit zeitintensiver Pflege und Ernte gefordert, sondern auch mit Kälte und gefrorenen Böden. «Wir sind immer sehr auf das Wetter angewiesen und somit täglich im Kontakt mit der Natur. Und natürlich mit Meteo Schweiz», sagt Willy Schmid-Zwimpfer. Bei grosser Kälte musste die Familie dann auch schon mal den etwas wärmeren Kuhstall in eine Rüstungsstätte umfunktionieren.

 

 

Pro Specie Rara für das eigene Pflanzgut 

 

Einen entscheidenden Vorteil haben diese Konditionen aber: «Der sehr grosse Anteil an Handarbeit und die Herausforderung mit den Wetterbedingungen eignen sich nicht für alle Betriebe und sind einfach unsere Spezialität“, meint Willy Schmid-Zwimpfer stolz. Trotzdem ist auch das Thema von Mitbewerbern und Billiganbietern präsent. «In einem offenen Markt ist dies unausweichlich, aber wir  wollen, dass der Meerrettich eine gute Wertschätzung erhält», meint Willy Schmid-Zwimpfer. Dies ist auch der Grund warum die Familie vor kurzem die Zertifizierung Pro Specie Rara für die Erhaltung des eigenen Pflanzgutes beantragte. Dies vor allem, um den Meerrettich-Produkten ein spezielles Auszeichnungsmerkmal zu geben. So tragen seit Jahresbeginn  die frischen Meerrettichwurzeln, das würzige Meerrettichpulver sowie der köstliche Frischkäse  mit Meerrettich diese Zertifizierung. 

 

 

Wunsch nach Verständnis und Sorgfalt

 

Eine weitere Herausforderung ist das Verständnis und das Interesse der Berufskollegen für den Bio-Anbau. «Als Bio-Bauern mussten wir uns am Anfang für  Anerkennung und Respekt einsetzen», so Lucia Schmid-Zwimpfer. Wenn andere Bauern in der Umgebung ihre Lebensmittel spritzten, war es schwierig, den eigenen Acker zu schützen. 

 

 

Auf die nächste Generation setzen

 

Ihre Freude und Faszination für die Landwirtschaft und vor allem für den Meerrettich möchte das Ehepaar Schmid-Zwimpfer auch an die nächste Generation weitergeben, nicht nur den eignen Kindern, sondern auch anderen Jugendlichen. Aus diesem Grund nimmt die Familie jährlich einen Praktikanten des Brückenangebots ‘Startpunkt Wallierhof’ auf. «Die Jugendlichen sollen von Anfang an Mitverantwortung übernehmen und so die Verbindung zur Natur und zu den Tieren kennenlernen», meint Lucia Schmid-Zwimpfer. 

 

Dass die Landwirtschaft irgendwann einmal aussterben wird, glaubt das Ehepaar nicht. Im Gegenteil: Willy Schmid-Zwimpfer sehe die Chance vor allem bei den Kleinbauern, welche mit ihrer Freude und ihrer Begeisterung die bisherigen Strukturen stärken können. Auch der Hof der Schmids soll später mit viel Erfindergeist und voller Überzeugung weitergeführt werden: «Die biologische Landwirtschaft ist eine Lebensphilosophie, welche viel «Gwunder» und Herzblut braucht. Und genau dafür stehen wir ein.»

Li cosmetic, Worb BE

Eine natürliche Investition ohne chemisches Kleingedrucktes  

 

Seit nun über 25 Jahren steht das Unternehmen Li cosmetic für Naturkosmetik ohne jeglichen künstlichen Inhaltsstoff. Mit der Verwendung von hochwertigen und ausschliesslich natürlichen Rohstoffen bieten die Produkte eine ideale und sorgfältige Pflege für jeden Hauttyp. Und dies ganz nach dem Motto: Qualität vor Quantität.

 

Von Alessandra Sossini

 

Obwohl es das Sprichwort besagt, können wir nicht wirklich aus unserer Haut fahren. Und einfach austauschen können wir diese auch nicht. Denn für uns ist sie einer der wichtigsten Bestandteile unseres Körpers: Sie schützt vor schädlichen Einflüssen, sie kontrolliert die Körpertemperatur und durch sie nehmen wir Berührungen erst wahr. So ist also klar, dass das grösste Organ des Menschen eine sorgfältige Pflege braucht. Genau aus diesem Grund hat es sich die Naturkosmetik-Marke Li cosmetic zur Aufgabe gemacht, Produkte zu entwickeln, welche der Haut geben, was sie braucht – und dies ohne Hilfe von chemischen Zusätzen. 

 

Li cosmetic ist ein wahrer Familienbetrieb, wo alle Produkte im hauseigenen Labor der Familie Aeschbacher entwickelt und hergestellt werden. Seit der Gründung strahlen die Produkte 100% Natürlichkeit und Einfachheit auf allen Ebenen aus. «Uns ist es wichtig, dass unsere Produkte nicht überladen sind - weder von den Inhaltsstoffen noch von der Verpackung her», sagt Lotty Aeschbacher, Gründerin und Inhaberin von Li cosmetic, in einem Gespräch mit Bio Partner. So schlicht die Verpackung der Produkte sein mag, die Inhaltsstoffe überzeugen auf ganzer Linie. Direkt von kleinen biozertifizierten Betrieben in den Alpen und Voralpen bezieht Li cosmetic Ringelblumen, Malve, Sonnenhut, Augentrost, Kapuzinerkresse, Rosenblüten und noch viele weitere erlesene Kräuter - alle aufgeladen mit der Wirkung der kräftigen Alpenerde und Höhenluft.  

 

 

Experimentieren aus der Faszination heraus 

 

Die Faszination für die Natur und deren Wirkung stand bei Lotty Aeschbacher am Anfang. Schon in Jugendjahren litt die Gründerin unter sensibler und problematischer Haut. Lange Zeit suchte sie nach der idealen Hautpflege. Aufgewachsen in einem Haushalt mit natürlicher Lebensweise war aber von Anfang an klar: Nur natürliche Kosmetik kommt in Frage. Problem dabei: In den 70er Jahren war Naturkosmetik noch nicht etabliert. So begann Aeschbacher sich immer stärker mit der Kritik an chemischer Kosmetik und mit den Vorteilen der natürlichen Pflege zu befassen. Was mit zwei Büchern startete, ist mittlerweile zu einer ganzen Bibliothek an Fachlektüre herangewachsen. «Durch Fachbücher erfuhr ich sehr viel über diverse Rohstoffe und deren Wirkung sowie auch über die Zusammensetzung von kosmetischen Rezepturen. So reizte es mich bald einmal, meine eigenen Kosmetika herzustellen», sagt Aeschbacher strahlend. Und so war die erste Tagescreme geboren. 

 

Doch so einfach wie sich das in den Büchern anhörte, war das Entwickeln und Herstellen der Produkte nicht. «Die grosse Herausforderung war es, einen natürlichen Stoff zu finden, der Wasser und Öl verbindet», so Aeschbacher. Mit diversen chemischen Präparaten gehe das einwandfrei, eine natürliche Alternative sei jedoch noch unbekannt gewesen. Aber genau diese Herausforderungen waren die Motivation, weiter an den Rezepturen zu experimentieren. «Es war, als ob ich auf einen Zug aufstieg und dieser mich immer weitermitnahm. Ich wusste, ich will es machen, ich kann es machen und ich werde es machen», sagt die Gründerin selbstbewusst. Die Energie habe nie abgenommen und so sei Li cosmetic bis heute weitergewachsen.

 

 

 

Natur ist nicht gleich Natur

 

Obwohl das Naturkosmetik-Unternehmen mittlerweile ihre Nische auf dem Markt gefunden hat, steigt die Zahl der Mitbewerber. «Wir haben zwar keine Angst vor Konkurrenz, aber leider ist der Markt zu einem wahrhaftigen Verdrängungsmarkt geworden», meint Aeschbacher besorgt. Denn mit neuen Anbietern kommen auch Tricksereien ins Spiel. «Der Begriff Naturkosmetik ist nicht wirklich geschützt und so weiss man nie, wie viel Natur oder eben Chemie wirklich in einem Produkt steckt», so die Inhaberin. Um sich vor falschen Anschuldigungen zu schützen und von der Konkurrenz abzuheben, hat Li cosmetic mit diversen Zertifizierungen klare Zeichen gesetzt. So tragen alle Produkte die Natural Cosmetics Standard (NCS) Zertifizierung, welche nur Inhaltstoffe natürlichem Ursprungs erlaubt, sowie das internationale Siegel gegen Tierversuche. 

 

Li cosmetic ist mit dem Preisunterschied zu konventionellen Produkten konfrontiert. Dem tritt Aeschbacher aber eher kühl entgegen. «Uns ist wichtig, die Preise tendenziell stabil und so tief wie möglich zu halten, aber unsere Qualität hat einfach ihren Preis», so Aeschbacher. Durch die Verwendung von ausschliesslich natürlichen hochwertigen Inhaltstoffen sei es gar nicht möglich und auch gegen die Philosophie des Unternehmens, ein günstiges Massenprodukt anzubieten. So appelliert Aeschbacher dezent an den Verstand der Konsumenten. «Sich wieder der Qualität bewusstwerden und sich auch mehr über die Risiken von chemischen Inhaltsstoffen im Klaren sein.»

 

 

 

Glückliche Konsumenten, glückliche Zukunft

 

Für Lotty Aeschbacher ist letzten Endes die Zufriedenheit der Konsumenten das Wichtigste. «Ich freue mich einfach wenn alles rund läuft, wenn die Kunden gerne meine Produkte kaufen und so sich selbst etwas Gutes tun. Das motiviert auch, das Unternehmen weiter zu ziehen», sagt Aeschbacher entspannt. Nach 25 Jahren intensiver Arbeit und dem Einsatz von viel Herzblut möchte es Lotty Aeschbacher nun ein wenig ruhiger nehmen. «Grosse Ambitionen habe ich momentan nicht. Ich versuche im Jetzt zu leben und mit der Zeit zu gehen.» 

 

«Ob wir die Firma erweitern oder so beibehalten, weiss ich noch nicht, denn jünger wird man auch nicht», sagt die 67-Jährige lachend. Die Zeit hat zwar die Herausforderungen minimiert und eine solide Basis geschaffen, die Faszination fürs Experimentieren mit Kräutern und Ölen aber bleibt weiterhin bestehen. 

Korn.Haus, Dussnang TG

 

Ein Haus, wo nicht nur das Korn im Zentrum steht

Das Korn.Haus in Dussnang steht für Fairness und Sorgfalt gegenüber Mensch und Umwelt. Seit über 42 Jahren produziert die Genossenschaft köstliches Brot, handgemachte Pasta, italienische Pestos und vieles mehr ganz im Zeichen der Demeter-Philosophie. Im Vordergrund: Nähe zu Lieferanten und soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern.

 

Von Alessandra Sossini

 

Wenn man den Begriff Kornhaus hört, denkt man automatisch an einen Getreidespeicher. Kalt, dunkel und unspektakulär. Das Korn.Haus in Dussnang steht für das komplette Gegenteil. Wärme, Nähe und unglaubliche Gastfreundschaft. Umgeben von grünen Wiesen, Apfelbäumen und Wälder liegt die Genossenschaft ein wenig abgeschieden vom städtischen Trubel im Kanton Thurgau. Der Demeter-Verarbeiter produziert in der hauseigenen Bäckerei, in einer Nudelwerkstatt und der eigenen Schreinerei Produkte, welche dem Gewissen guttun und im Bereich Wertschöpfung ganz neue Standards setzen. "Die Nähe zu und Fairness gegenüber allen Ebenen der Wertschöpfungskette steht bei uns an oberster Stelle. Dies widerspiegelt sich auch in der Demeter-Philosophie, und diese leben wir zu 100%", sagt Ruedi Engeler, zuständig für die Betriebe und das Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung, in einem Gespräch mit Bio Partner.

 

Die Geschichte des Korn.Haus begann in den 70er Jahren als der Gründervater Hanspeter Bühler den ersten Unverpackt-Laden in der Umgebung eröffnete. Mit dem "Velo-Töffli" holte Bühler damals Demeter-Getreide und -Trockenfrüchte in den umliegenden Städten ab und brachte sie aufs Land in seinen Laden, wo Kommunen und Familien regelmässig ein und aus gingen. Doch nicht nur die hohe Qualität der Produkte und Nähe zu den Kunden lag Bühler am Herzen, sondern auch die Integration von Menschen mit Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Eine Ideologie, welche noch immer in jeder Ecke des heutigen Verarbeitungsbetriebs respektiert, gelebt und geschätzt wird. Aus diesem Gedankengut heraus hat sich das Korn.Haus stetig weiterentwickelt. Es bewirtschaftet mittlerweile mit insgesamt 85 Mitarbeitenden eine Bäckerei, ein Gastro-Unternehmen, ein eigenes Biofachgeschäft, eine Schreinerei und die neue Nudelwerkstatt.

 

 

Der Mensch im Zentrum

 

Mit jedem Schritt durch die Verarbeitungsstätten merkt man, dass die Mitarbeiter das Merkmal des Betriebes sind. Denn es sind Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Charaktereigenschaften. Wie schon damals der Gründervater inkludiert das Korn.Haus noch immer Leute mit einer Beeinträchtigung und bietet betreute Ausbildungs- und sogar Wohnplätze an. Ein solches soziales Engagement ist für Ruedi Engeler enorm wichtig: "Früher waren solche Personen 'Randständige'. Heute bieten wir diesen eine Arbeitsmöglichkeit und geben ihnen eine Beschäftigung, eine Aufgabe." Dabei sei ausschlaggebend, dass das Korn.Haus in allen Bereichen eine Integration ermögliche, um einen idealen ersten Einstieg in den Arbeitsmarkt zu begünstigen.

 

Eine solche Aufgabe bedarf aber auch einer grossen Menge an Herzblut und Engagement. Vor allem wenn ungewöhnliche Situationen an der Tagesordnung sind. "Wenn ein Mitarbeiter eine emotionale Krise hat, gilt es umdisponieren und schnell Lösungen zu finden. Das ist aufwändig, aber erst das macht es für uns so spannend", sagt Engeler strahlend. Für ihn sei es am schönsten zu sehen, wenn alle Mitarbeitenden eingebunden werden und diese dann den Sprung in die Berufswelt schaffen. "Ich bin nun seit drei Jahren beim Korn.Haus und die individuelle Arbeit mit den Jugendlichen und Erwachsenen ist einfach grossartig mitanzusehen - da geht einem das Herz auf", so Engeler.

 

 

Langfristigkeit beim Ursprung

 

Nicht nur die Nähe zu den Mitarbeitern, sondern auch zu den Lieferanten steht beim Korn.Haus an erster Stelle. Denn erst dadurch entsteht eine Qualität, welche selten auf dem Markt zu finden ist. "Für uns ist es essentiell, zu wissen, wo und unter welchen Bedingungen unsere Rohstoffe wachsen", so Engeler. Viele Rohstoffe kommen unmittelbar aus der Region und alle erfüllen die strengen Demeter-Richtlinien. So ist das Korn.Haus durch den engen Austausch mit den Lieferanten ein Unternehmen, welches auf ihre Mehlsäcke stolz den genauen Namen des Lieferanten schreiben kann, um so die Reinheit der Rohstoffe zu garantieren. Auch die Nähe zum Produkt selbst ist für den Genuss ausschlaggebend: "Jedes Korn ist anders und lässt sich anders verarbeiten. So sind unsere Bäcker immer dran, diese kennenzulernen und zu spüren, wie damit das perfekte Brot entsteht."

 

Um die Philosophie und die Werte der Institution in ihrer Gesamtheit zu festigen und auch nach aussen zu transportieren, war von Anfang an klar, dass nur Demeter-Rohstoffe in Frage kommen. "Der Umgang mit Mensch und Natur bei Demeter widerspiegelt sich eins zu eins in unseren eigenen Werten", sagt Engeler stolz. Demeter lebe von seinem ganz eigenen Rhythmus, genauso wie auch für ihre Mitarbeitenden ein geregelter und strukturierter Tagesablauf wichtig sei. So fängt jede Woche mit einem Treffen am Montagmorgen an, wo sich alle Mitarbeitenden zusammenfinden, sich gegenseitig die Hände schütteln und gemeinsam in die Woche starten.

 

 

Öffnung nach aussen

 

Im Mittelpunkt der Genossenschaft stehen momentan der neue Auftritt und die Zukunft des Korn.Haus. Denn wo früher jede Abteilung für sich selbst gearbeitet hat, ist nach einem knapp einjährigen intensiven Projekt eine Gemeinschaft mit einem einheitlichen Logo und neuem Internetauftritt entstanden. "Jeder Teilbetrieb des Korn.Haus ist essenziell für das Überleben des anderen. So mussten wir eine Einheit bilden und ein gleiches Gesicht für alle kreieren", sagt Engeler überzeugt. Mit Auftritten an Messen und Veranstaltungen wolle sich die Genossenschaft nach aussen hin öffnen, ihre Werte klar kommunizieren und transparent auftreten. "Die Zeit ist gekommen, zu zeigen, wer wir sind."

 

Wie das neue Erscheinungsbild werden auch Produkte und Verpackungen laufend optimiert. "Wir versuchen im Bereich Nachhaltigkeit alles so gut wie möglich auszureizen und schätzen somit vollumfänglich die Natur", meint Engeler. Für die Zukunft wünscht er sich eine Akzeptanz und eine gewisse Selbstverständlichkeit für ihre Tätigkeit - ohne sich immer wieder erklären zu müssen.

Humbel Spezialbrennerei, Stetten AG

 

 

Von der Bio-Frucht zum Hochprozentigen

 

Am Anfang stand der Kirsch – und dieser steht immer noch. Seit 1918 brennt die Spezialbrennerei Humbel ausgewählte Früchte zu exquisiten Obstdestillaten und hat mit Bio-Schnäpsen eine neue Nische etabliert. Über die Jahre hinweg hat der Generationsbetrieb seine Qualität bewahrt und sich in der ganzen Schweiz einen Namen gemacht. 

 

Von Alessandra Sossini

 

Bio wird oftmals mit einem gesunden Lebensstil in Verbindung gebracht. Alkohol hat in einem solchen oftmals keinen Platz, da dieser nicht gerade förderlich für den eigenen Körper ist. So liegt die Frage nah, warum denn überhaupt zu Bio-Spirituosen greifen? Einen gesundheitlichen Vorteil gibt es ja doch nicht. Schnapsbrenner Lorenz Humbel hält es mit Paracelsus und meint, dass auch beim „Aqua vitae“ (Lebenswasser) die Dosis das Gift macht. Es geht ihm aber nicht um den Gesundheitsaspekt, sondern um die Verantwortung unserer Natur gegenüber. 

 

Seit 100 Jahren produziert die Spezialbrennerei Humbel im idyllischen Stetten, AG Obstdestillate und Spirituosen in höchster Bio-Qualität. Was bei einer konventionellen Bauernbrennerei begann, ist mittlerweile eine der bekanntesten Destillerien der Schweiz geworden. «Wir brennen mit sehr viel Sorgfalt und grossem Engagement und verwenden dabei ausschliesslich Schweizer Früchte mit bestem Inhalt», sagt Lorenz Humbel, Inhaber der Spezialbrennerei, in einem Gespräch mit Bio Partner. 

 

 «Gute Früchte sind das A und O für einen guten Schnaps. Ob diese Dellen haben oder komisch aussehen, spielt keine Rolle. Der Inhalt muss stimmen», sagt der Brennereiinhaber. Um diesem Kriterium gerecht zu werden, hat Beat Humbel, Obstbauer und Cousin von Lorenz Humbel, Obstkulturen für die Brennerei angelegt. Seine Felder bewirtschaftet er nun seit einigen Jahren nach den strengen «Bio-Suisse»-Richtlinien. Mittlerweile wachsen dort diverse Sorten Holunder, Mirabellen, gelbe und rote Williamsbirnen, Quitten, rote Gravensteiner, Wildäpfel. Muscat-Bleu Trauben und Kornelkirschen. Direkt vom Baum gepflückt oder heruntergefallen können die Früchte in nur wenigen Schritten direkt verarbeitet werden – für einen Geschmack ohne Verluste.

 

 

Der Anfang machte der Bauernhof

 

Nur ein Haus neben der jetzigen Brennerei begann 1918 der Weg der Spezialbrennerei Humbel. Lorenz Humbels Grossvater führte einen Bauernhof mit eigenen Obstfeldern und einer Brennstube nebenan. Schon damals machte sich Max Humbel mit seinen Bränden einen Namen über die Regionsgrenzen hinaus. Nach 43 Jahren war dann die Zeit reif, den Hof den zwei Söhnen Maximilian und Louis Humbel abzutreten. Der Erste übernahm die Brennerei, der Zweite gab sich der Landwirtschaft hin. Mit der Zeit erweiterte sich die Sortimentspallette der Brennerei und neue Obstbrände wie Williams oder der altbekannte «Zwetschge» kamen hinzu – das Hauptprodukt blieb aber bis heute der Kirsch. 

 

1991 stand dann der nächste Generationenwechsel an und die Brennerei wurde in die Hände von Lorenz Humbel übergeben. Die Obstfelder gingen an Cousin Beat Humbel. Sich auf den Lorbeeren der Väter ausruhen, galt aber nicht. Die Brennerei wurde modernisiert und das Sortiment kontinuierlich verfeinert. «Meine Inspiration für neue Brände fand ich im Buch ‘Die Kirschsorten der deutschen Schweiz’, welches mich durch die Welt von Hunderten Kirschsorten führte», meint der Brenner aus Leidenschaft Lorenz Humbel. Ein paar Jahre später betrat die Brennerei dann mit neuen Bio-Obstbränden den Bio-Markt – ein Schritt, der nicht nur Genuss, sondern auch einen nachhaltigen Mehrwert versprach. 

 

 

Bio-Spirituosen bleiben vorerst eine Nische

 

Der grosse Bio-Boom ist noch nicht bis zu den Obstbränden und Spirituosen vorgedrungen. «Das ganze Thema ist noch zu stark auf den Gesundheitsaspekt ausgerichtet. Dabei sollte es eher um die Nachhaltigkeit und den fairen Umgang mit unserer Natur gehen», so Humbel. So sei die Gesundheit kein treffliches Argument, denn laut dem Brennmeister sind Pestizide schwerflüchtig und gelangen somit beim Destillieren der gegorenen Fruchtmasse nicht in den Alkohol. «Einen Unterschied zwischen Bio und Nicht-Bio ist nicht so entscheidend. Ein Unterschied ist, dass einige Bio-Fruchtsorten mehr Inhalt, also Volumen, hergeben als konventionelle. Generell ist für Brennfrüchte eine extensive Bewirtschaftung von Vorteil», meint Humbel. Trotzdem sollten sich Brenner intensiver mit den einzelnen Baumarten und Früchtesorten auseinandersetzten. 

 

Einen Vorteil hat der Nischenmarkt aber allemal. Die Spezialbrennerei hat nur eine kleine Anzahl an Konkurrenten. «Ein grösserer Mitbewerber im Bio-Sektor befindet sich England, welcher Whiskey, Vodka und Gin in Bio-Qualität herstellt. In der Schweiz sind es nur die kleinen Bauernbetriebe, welche uns konkurrenzieren», sagt Humbel zufrieden. Dem allgemeinen Alkoholmarkt blickt der Brenner entspannt entgegen. «Wir sind überzeugt von unseren Produkten und liefern echte Qualität», so Humbel. Das einzige Problem sei, dass einige Läden versuchen, den Preis einer Flasche Wodka auf unter zehn Franken zu drücken und die CHF 9.90 zu erreichen. Dies sei fragwürdig und unverständlich sowie auch schädlich für das Image der Spirituosen generell.

 

 

Auf weitere 25 Jahre

 

Die hundertjährige Brenngeschichte möchte Lorenz Humbel weiter ausbauen. «In den nächsten 25 Jahren werden wir unseren Namen in der Schweiz, wenn nicht gleich in Europa, weiter etablieren können.» Auch Produktentwicklung ist da ein Schlagwort. «Wir probieren immer wieder dies und das. Sicher werden wir die Sortimente der Hochstamm Obstbränden, von Bio Rum und von Bio Whisky weiter ausbauen», so der Brennmeister. «Und vielleicht wird sogar noch ein Traum wahr: Vor 25 Jahren war ich in Portugal und habe dort einen Medrohno-Schnaps (Schnaps aus den Früchten des Erdbeerbaums) getrunken. Dieser war so köstlich, dass er mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.»

 

Ein grosses Anliegen, welches Humbel auch an die Folgegeneration hat, ist die Erhaltung der ehemaligen Etiketten des Bure-Schnaps, welche seit 100 Jahren unverändert blieben. «Dies ist für mich eine wichtige Ehrerbietung an die Gründergeneration und widerspiegelt das lange Bestehen unserer Brennerei. Etwas, das es heute nur noch selten gibt», meint Humbel stolz. Der einzige Wunsch des Brenners sei und bliebe das Streben nach einer höheren Anerkennung von Obstbränden. «Ich hoffe unser Schnaps erhält wieder die hohe Wertigkeit, welche er früher gehabt hat.» 

 

 

claro fair trade, Orpund BE

 

«Der Preis ist nur eine kurzfristige Angelegenheit»

 

Von Mensch zu Mensch ist das Credo des grössten Schweizer Fair-Trade-Händlers claro. Seit 40 Jahren setzt sich das Unternehmen für Fairness und Wertschöpfung in südlichen Ursprungsländern ein und sichert durch enge Partnerschaften die Existenzgrundlage vieler Kleinbauern und Fabrikanten. Das Ziel: Produkten ihren wahren Wert zurückgeben.

 

Von Alessandra Sossini

 

Was wäre ein Morgen ohne einen frisch aufgebrühten Kaffee mit ein bisschen Zucker? Dann noch ein Glas Organgensaft dazu und ein paar Cashew-Nüsse ins Müsli. Solch morgendlicher Genuss ist für uns selbstverständlich. Doch nur selten zerbrechen wir uns den Kopf darüber, woher denn die Kaffeebohnen, die Zuckerrüben oder die Orangen für unser Frühstück stammen. Es ist kein Geheimnis mehr, dass Bauern und Arbeiter in südlichen Ländern für genau diese Rohstoffe hart arbeiten müssen und somit Kleinbauern immer wieder am Existenzminimum leben. Mit Transparenz, fairen Arbeitsbedingungen und ehrlichen Preisen versucht claro fair trade ein Zeichen in der Lebensmittelindustrie zu setzten. «Wir betreiben Handel auf Augenhöhe. Wir wollen keine Preise drücken und hohen Gewinn erwirtschaften, sondern vor Ort so grosse Entwicklungsmöglichkeiten wie möglich schaffen», sagt Marie-Claire Pellerin, Geschäftsführerin von claro fair trade, in einem Gespräch mit Bio Partner. 

 

Was 1977 als Bewegung startete, ist mittlerweile das grösste Fair Trade Handelsunternehmen der Schweiz. Mit Bauern-Kooperationen auf den Philippinen, in Thailand, in der Dominikanischen Republik und vielen weiteren Länder bezieht claro ausschliesslich Waren, welche die Richtlinien des fairen Handels erfüllen. «Bei all unseren Produkten steht die Fairness gegenüber dem Menschen im Vordergrund. Wir gehen aber immer noch einen Schritt weiter und beziehen Produkte, welche nachhaltig und biologisch produziert wurden sowie Herkunft und Verarbeitung transparent sind», so die Geschäftsführerin. Nebst Rohstoffen und den eigenen verarbeiteten Produkten finden auch weitere Produkte wie Kosmetik, Kunsthandwerk und Modeartikel von aussenstehenden Marken ihren Platz im Sortiment. Voraussetzung dafür: faire und biologische Produktion.  

 

 

Gemeinschaft stärken, gemeinsam wachsen

 

Ein grosses Ziel von claro ist es, die Wertschöpfung im Ursprungsland zu belassen und vor Ort die Wirtschaft zu fördern. Durch die Kooperation mit Kleinbauernorganisationen in südlichen Ländern erhalten Kleinbauern ein gesichertes und gutes Einkommen, können sich auf biologischen Standards verlassen, ihre Kinder zur Schule schicken und von einer Gesundheitsversorgung profitieren. «Dadurch, dass die Bauern sich keine Gedanken um das Einkommen machen müssen, herrscht an diesen Orten eine unbeschreibliche positive Energie. Den Leuten geht es gut und das spürt man», so die Geschäftsführerin, welche selbst schon mehrmals direkt vor Ort war. Somit fördert claro aktiv die biologische Landwirtschaft und gleichermassen den Gesundheitsgedanken. «Bio ist in diesen Ländern nur wenig verbreitet. Unsere Bauern stehen aber mit vollem Herzblut und Engagement dahinter und wissen, dass es ihnen und der Natur gut tut. Und dieses Gedankengut geben sie nicht mehr auf», so Pellerin stolz.

 

Der Gemeinschaftsgedanken hat einen ganz besonderen Stellenwert. «Es ist faszinierend zu sehen, wie stark das Gemeinschaftsgefühl in diesen abgelegenen ländlichen Gebieten ist. Die Gemeinschaft steht immer an erster Stelle und man hilft sich gegenseitig», meint die Geschäftsführerin beschwingt. Es wird niemand bevorzugt und alle gleich und fair behandelt. Damit dies funktioniert, sind vertrauenswürdige Partner das A und O. «Für uns ist es ein Muss, dass hinter allen Kooperativen eine gemeinnützige Organisation oder eine NGO steht, damit keine Bereicherung Einzelner entsteht», sagt Pellerin. Ein Vorzeigebeispiel sei dabei die Reiskooperation in Thailand gemeinsam mit der Organisation Green Net. «Diese Kooperative hat von Null her als Zusammenschluss von Bauern gestartet. Nun besitzen sie eine eigene Infrastruktur und sind vollumfänglich selbstständig sowie unabhängig.»

 

 

Qualitätsvergleich vor Preisvergleich

 

Als Wirtschaftsunternehmen ist claro fair trade dem Preisdruck des Marktes und auch dem Wunsch nach tiefen Preisen ausgesetzt. Eine Situation, über welche Pellerin nur den Kopf schütteln kann: « Tiefe Preise haben nichts mit Zukunftsdenken zu tun.» Denn gemäss der Geschäftsführerin könne erstens ein unnatürlich schnell gewachsenes und dadurch tiefpreisige Lebensmittel qualitativ nicht gleich gut sein, wie ein nachhaltig gewachsenes. Zweitens müsse der Konsument verstehen, dass chemische Inhaltsstoffe in niedrig gepreisten Lebensmitteln schädlich für den Körper sind. Drittens solle jedes Produkt den wahren Preis – und zwar auch diesen für die Verschmutzung der Natur – tragen: So wären konventionelle Produkte schnell nicht mehr billig. Diese Gedanken gehen weit über den einfachen Preisvergleich hinaus. «Mir ist bewusst, dass es anstrengend ist, sich diese Gedanken zu machen, aber wir müssen beginnen, Qualität und nicht Preise zu vergleichen», so Pellerin.

 

claro wünscht sich, dass sich der gesellschaftliche Fokus mehr auf den Schutz der Natur richtet statt ausschliesslich auf Gewinnstreben. «Es geht nicht darum, jemandem nun eine Schuld für etwas wie den Klimawandel oder die Armut zu geben, sondern sich seiner Verantwortung bei Konsum und anderen Tätigkeiten bewusstzuwerden», so Pellerin. Dem «Ideal» annähern könne man sich nur, wenn die Wertschätzung für GUTE Lebensmittel von nah und fern wieder auflebe und diese wieder einen echten Preis erhalten. «Fair Trade hat nur eine Chance, wenn Qualitätsstandards sehr hoch sind und auf dem ganzen Weg des Produktes umgesetzt werden.»

 

 

Mit Bestehendem Neues schaffen

 

Beim Blick in die Zukunft nennt die Geschäftsführerin den Begriff «Konstanz». «Unsere Kooperationen sollen so lange wie möglich unterstützt und gefördert werden», so Pellerin. «Wir wollen nicht immer und immer neue Produkte, sondern ein starkes konstantes Sortiment.» Neue Projekte sind aber trotzdem schon in Planung. Wie zum Beispiel Kokosblütenzucker. «Bei neuen Projekten ist es für uns überaus wichtig, dass wir diese mit bestehenden Kooperativen realisieren können – und im Fall des Kokosblütenzuckers mit unserem jetzigen Zuckerlieferanten auf den Philippinen», meint Pellerin. Nur wegen eines neuen Ernährungstrends gäben sie nie einen Lieferanten einfach auf.

 

Ein Herzprojekt der Geschäftsführerin ist auch die neue Kooperation mit dem Projekt Orang Utan Coffee. Kleinbauern im Hochland von Sumatra bauen auf fruchtbaren, vulkanischen Böden einen hochwertigen Arabica Kaffee an. Dank Prämien aus dem Verkauf des Kaffees wird das Orang Utan Schutzprogramm der Stiftung PanEco. unterstützt. Dabei geht es um den Schutz des Regenwalds, der seit einigen Jahrzehnten rasant schwindet – vor allem für die Anlage von Palmölplantagen. «Hier verbinden wir nicht nur faire Arbeitsbedingungen und biologischen Anbau mit einem fairen Preis, sondern schliessen Natur- sowie auch Tierschutz mit ein», sagt Pellerin überaus glücklich. «Mit diesem Projekt können wir so viel erreichen und die Werte von claro vollumfänglich leben und umsetzen.»

 

Claro Produzenten-Förderfonds:

Biohof Widacher, Malters LU

 

Der etwas andere Gemüseanbau

 

Im idyllischen Malters betreibt die Familie Brauchart-Moos seit 1980 ihren Bio-Gemüse-Hof Widacher. Im Unterschied zu anderen Höfen wirtschaftet die Familie nach bio-veganem Prinzip und verzichtet somit auf alle tierischen Düngemittel. Eine Philosophie, welche nicht nur auf dem Feld, sondern auch auf dem Teller gelebt wird.

 

Von Alessandra Sossini

Eine Landwirtschaft ohne Kuhmist als Dünger ist für viele kaum vorstellbar. Gülle gehört, wie man meint, zu einem guten und gesunden Gemüse- und Getreideanbau dazu. Denn diese versorgte den Boden mit Stickstoff. Nur eine kurze Zugfahrt von Luzern entfernt, liegt in Malters ein Hof, welcher  andere Standpunkte vertritt. Der Gemüsehof Widacher ist kein gewöhnlicher Landwirtschaftsbetrieb, denn was dem typischen Hofimage fehlt, sind die Tiere. Weder Kühe, Schweine noch Schafe sind zu sehen – nur Regenwürmer und eine grosse Auswahl an Insekten und Nützlingen zu erahnen. Dies ist ganz bewusst so gewählt, denn die Familie Brauchart-Moos betreibt seit den 90er Jahren den Biohof Widacher nach bio-veganen Grundsätzen. «Wir verzichten auf Gülle und jegliche tierische Düngemittel in der Landwirtschaft und führen somit dem Boden nur Nährstoffe aus pflanzlicher Herkunft  zu», sagt Liselotte Brauchart, Inhaberin des Biohofes, in einem Gespräch mit Bio Partner. 

Diese Anbauweise ist heute das Markenzeichen des Betriebes. Doch der Einstieg war für die Braucharts nicht ganz einfach: «Wir mussten einige Varianten ausprobieren, um den notwendigen Stickstoff für den Boden zu gewährleisten », meint Liselotte Brauchart. Nach einer Experimentierphase begann der Hof, hauptsächlich auf Gründünger vom eigenen Hof zu setzen. Dabei werden auf dem eigenen Land Pflanzensorten wie Erbsen angebaut, welche den Boden  ausreichend mit Nährstoffen versorgen. Bei Erntezeit werden die Pflanzen aber nicht gepflückt, sondern  maschinell in den Boden eingearbeitet, um den Stickstoffgehalt für die folgenden Anbauten  zu steigern. So entpringt der Dünger direkt vom eigenen Hof. Ebenfalls kommt der Kompost von den Pflanzenabfällen zum Einsatz. «Mit pflanzlicher Anbauweise entstehen tolle und köstliche Produkte. Dies bestätigt uns unsere grosse und treue Stammkundschaft“, so Brauchart.

 

Vom konventionellen Milchhof zum veganen Gemüsebetrieb

Kaum vorstellbar ist, dass vor 40 Jahren der Hof ein konventioneller Milchbetrieb war. Anfangs der 80er Jahre entschieden sich die Eltern, Anna und Willi Moos, die Milchkühe zu verkaufen. «Meine Eltern konnten sich nicht mehr mit der konventionellen Landwirtschaft identifizieren und wandten sich deshalb dem biologischen Gemüseanbau zu», so die Hofbesitzerin. Daraufhin war die Anstellung von Werner Brauchart, dem Ehemann der jetzigen Hofbesitzerin, ausschlaggebend für den nächsten Schritt – den Übergang zur rein pflanzlichen  Landwirtschaft. «Als Werner auf den Hof kam, entsorgte er die alten, nicht mehr gebrauchten tierischen Düngemittel auf dem Kompost. Nach einiger Zeit stellte er fest, dass es in diesem Walm viel mehr Ungeziefer und Maden hatte als sonst. So haben die tierischen Düngemittel wie Hornspäne und Blutmehl Ungeziefer stark angezogen und boten ihnen einen idealen Lebensraum.  So war klar, dass eine Alternative her musste», so Werner Brauchart. Folglich wurde der Hof Schritt für Schritt zum heutigen Gemüsebetrieb. 

Nach den ersten erfolgreichen Ernten begann die Familie ihr Gemüse im Direktverkauf zu vermarkten. Sie eröffneten einen eigenen Hofladen und gehen auch heute noch zwei Mal wöchentlich auf den Luzerner Wochenmarkt.  1995 eröffneten sie den Frischprodukteteil  im Grbenmärt, dem ersten Biosupermarkt in der Luzerner Altstadt. Gleichzeitig realisierte man eine Sprossenanlage und belieferte den Biogrosshandel mit Sprossen und Mischsalaten. Acht Jahre später übergab Anna Moos den Hof an Liselotte und Werner Brauchart-Moos. Weiterhin pflanzen sie von  Grünsprossen über Tomaten und Gurken bis hin zu Süsskartoffeln und Artischocken eine sehr breite Auswahl an frischem Bio-Gemüse und Salaten an.

 

Vegane Landwirtschaft als Trend

Für die Braucharts ist klar: Bio-vegan gewinnt an Zuspruch. «Bei uns kommen viele Leute vorbei und sind sehr interessiert an unserer Anbauweise», so Brauchart. Dass bio-vegan im Aufschwung ist, zeigt sich auch an der Gründung eines neuen Vereins, welcher bio-vegane Betriebe zertifiziert. Dennoch besteht nicht das Interesse diesem beizutreten, da der administrative Mehraufwand zu hoch wäre. Für sie zähle seit Jahren die Einstellung gegenüber der Natur, welche sie zu verbreiten versuchen. Diese wollen sie nicht aufgrund eines Trends verändern oder vermarkten. «In erster Linie tun wir es für uns», sagt die Betriebsleiterin.

Im bio-veganen-Anbau kann es vorkommen, dass der Ertrag beispielsweise beim Blumenkohl unterschiedlich ausfällt. Jedoch spiele dies für die Braucharts keine entscheidende Rolle, denn die Kundschaft schätze die Auswahl der verschiedenen Grössen an Gemüse. Für die Hofbesitzer sei es wichtig, Freude an der Arbeit zu haben und möglichst hohe Qualität zu erreichen und nicht in Masse mit geringstem Aufwand zu produzieren.  

 

Weiter in Richtung Nachhaltigkeit

Bereits mit ihrer nachhaltigen Landwirtschaft gibt der Biohof Widacher der Natur viel zurück. Doch dies ist der Familie nicht genug. Wo früher die Gewächshäuser mit Öl geheizt wurden, kommt nun eine nachhaltige Pelletheizung zum Einsatz. „Auch weiterhin werden wir uns bemühen für uns und die Umwelt etwas Gutes zu tun und die Bodenlebendigkeit zu fördern“, so Liselotte Brauchart.